Bereitet Euch vor! (Geistliches Prepping)

von Pfr. Martin Möller

„Wir müssen uns vorbereiten!“, haben sie geschrieben. „Wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein!“

Noch vor ein paar Wochen haben wir über die „Prepper“ und „Doomsdayer“ köstlich amüsiert. Eine etwas seltsame Gruppe, die sich gerne vorbereitet. Und zwar auf das Schlimmste, vorzugsweise auf den Weltuntergang. Stolz präsentieren sie auf Youtube ihre angelgten Vorräte. Monatelang würden sie – zum Beispiel bei einem Nuklearkrieg – überleben. Ohne Hilfe von außen. Noch vor kurzem haben alle über ihre abseitigen Ideen gelacht. Heute lacht keiner mehr.

Stattdessen wird uns klar: Vorbereitung scheint eine ganz gute Sache zu sein.
Natürlich sagen wir ganz reflexartig: Auf dieses Szenario konnte man sich nicht vorbereiten. Weiß ich nicht so genau. Diese seltsamen Prepper waren in der Schlange im Supermarkt nicht zu sehen. Mir sind die richtig sympatisch geworden.

Außerdem habe ich so überlegt: Wir Christen sind ja auch Prepper. Gut, wir sind jetzt nicht so sehr an Klopapier und Hülsenfrüchten interessiert. Aber wir sind irgendwie geistliche Prepper: „Du musst im jetzigen Leben, … damit im ewigen Leben…“ Jesus war ein großer Freund des Prepping: Wir erinnern uns an das Gleichnis mit den Jungfrauen und ihren Lampen. Im Hier und Jetzt verantwortlich handeln, damit in der Zukunft nicht alles den Bach runter geht. Ist doch gar nicht so schlecht, die Idee.
Das ist nicht das einzige, was wir mit den Preppern gemeinsam haben: Auch über uns lacht man oft und mehr oder weniger herzlich.

Aber jetzt! Jetzt ist unser großer Moment da. Endlich stoßen wir mit dem Prepping auf offene Ohren. Denn jeder, der die Klopapierregale sieht, weiß: Prepping ist der Trend. Jetzt lacht keiner mehr. Ganz im Gegenteil: Der Spaß ist, wenn es um Nudeln und Hygieneartikel geht, vorbei. Vorbei, vorbei!

Und deshalb, liebe Brüder und Schwestern, ist der Moment da, unsere Botschaft deutlich zu sagen:

Geistliches Prepping: Bereitet Euch vor!

Bereitet Euch darauf vor, dass schon bald, ja, wir werden es noch erleben, das Leben wieder in gewohnten Bahnen weitergehen wird. Wir werden es noch erleben, dass die Clubs und Bars und Kinos und Kirchen wieder öffnen. Wir werden es noch erleben, dass sich das pulsierende Leben wieder in die Straßen ergießt, dass Spielplätze wieder gefüllt und Synoden wieder abgehalten werden. Wir werden es noch erleben, dass Shopping und Geld verdienen und Geschäftsreisen und Machen-Machen-Machen! wieder erlaubt sind. Wir werden es noch erleben, dass Nudeln und Klopapier wieder in den Regalen stehen und nicht mehr im Kassenraum bewacht werden müssen. Ja, all das und noch vieles mehr wird noch zu unseren Lebzeiten wieder zu sehen sein. Ihr dürft mich dereinst zitieren.

Bereitet Euch darauf vor! Ihr habt ja jetzt dazu ein wenig Zeit. Mal in Euch zu gehen, mal zu überlegen, welche Richtung das Leben so nehmen soll, mal zu überlegen, was für eine Art von Mensch ihr eigentlich sein wollt, mal ein Gespräch mit Gott zu suchen über Gott und die Welt, mal darüber nachzudenken, welche Verantwortung jeder einzelne trägt für das große Ganze und für sich.

Und all das solltet Ihr jetzt – ganz schnell – erledigen, denn: – Die Zeit ist nahe, liebe Brüder und Schwestern, wo alles wieder so sein wird – wie immer.

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